Chefs am Limit

Kaminabend mit Unternehmenscoach Gerhard Nagel über „Chefs am Limit“

Das Satelite Office im Haus Cumberland auf dem Kurfürstendamm in Berlin hat Charme. Moderne, klassische und farbenfrohe Einrichtungen treffen auf freigelegte Steinmauern und Echtholz-Parkett. Das Wechselspiel zwischen Moderne und altem Gemäuer ist faszinierend. Beim Betreten der Räumlichkeiten fühle ich mich in eine andere Zeit versetzt und ich stelle für mich sofort fest: hier fühle ich mich wohl. Der Kontrast könnte nicht besser sein: In entspannter Atmosphäre wird einen Impulsvortrag über Limit gehalten.

Einen Moment später erscheint Gerhard Nagel, Autor, Change-Management-Experte und Unternehmercoach begrüßt die Anwesenden mit einem schelmischen Grinsen. Nagel berichtet an diesem Abend über die Chefs, die am Limit sind und stellt die Verbindung zu den neusten Entwicklungen im „Reich des Chefs“ her.

Er beginnt seinen Vortrag mit einer zentralen Aussage, die mich über den Abend hinaus beschäftigen soll. „Ich komme nicht mehr weiter“, das ist eine Formulierung, die im Wortschatz vieler Führungskräfte nicht zu existieren scheint. Ich halte kurz inne, überlege und reflektiere wie es bei mir war oder sogar noch ist. Da fallen sie mir wieder ein, meine Glaubenssätze, mein Gefängnishof der Gedanken, mit denen ich aufgewachsen bin:

„Durchhalten, du schaffst das schon. Manchmal muss man sich halt Durchbeißen. Da musste ich auch durch. Das haben andere auch schon geschafft. Die Luft wird nach oben dünner.“

Wir gehen regelmäßig bis an unsere Belastungsgrenzen, ignorieren Warnsignale unseres Körpers und unseres Umfelds. Stattdessen stecken wir unsere Ziele lieber noch eine Stufe höher. Die Folgen, die Nagel vorstellt, decken sich mit denen, über die ich mit meinen Studierenden an der HMKW am Campus Köln im Masterstudiengang Wirtschaftspsychologie spreche: Unzufriedene Mitarbeiter, innere Kündigung, Leistungsabfall, beruflicher Stress, der nach Feierabend mit nach Hause genommen wird, Erschöpfung und Burn-Out.

Gerhard Nagel arbeitet seit Jahren mit Führungskräften zusammen und kennt deren Probleme, Sorgen und Ängste nur zu gut. Aus seinem Buch referiert Nagel, was Coaching leisten kann und geht dabei auf fünf Coaching-Situationen ein:

1. der gefühlskalte Macher in der Krise,
2. der Startup-Unternehmer in der Sinnkrise,
3. die mittlere Führungskraft in der Zerreißprobe,
4. der Senior-Unternehmer in der Nachfolge-Krise und
5. die Frau im Mutter/Management-Dilemma.

Im Weiteren legte Nagel daher besonderen Wert darauf, Führungskräften mögliche Wege aus der Krise aufzuzeigen. Alleine schon festzustellen, dass man nicht der einzige mit einem Problem ist, sei dabei eine oft heilsame Erkenntnis. Besonderen Fokus legte Nagel auf Fragen:

„Was belastet uns wirklich?“

„Und was entlastet unseren Alltag spürbar?“

„Ist jeder, der müde ist, einem Burnout nahe?“

„Und warum ist doch nicht jede Überlastung dauerhaft auszuhalten?“.

Im Anschluss an den lebhaften Vortrag tauschten die Gäste und Business Club Mitglieder (Führungspersonen und Unternehmer) untereinander Erfahrungen aus, holten die Meinung des Unternehmenscoachs ein und diskutierten rege. In meinen persönlichen Gesprächen gewann ich den Eindruck, dass sich doch viele in den von Gerhard Nagel beschriebenen Verhaltensmustern wiederfanden. Es war ein sehr aufschlussreicher Abend mit einem Thema, das nach wie vor aktuell ist.

Quelle: http://www.bwa-deutschland.com/

Titelbild: Photo by Ruthson Zimmerman on Unsplash