Die Generalnorm  für Primäre Prävention und Gesundheitsförderung in  Lebenswelten und für Betriebe – Der § 20 Sozialgesetzbuch V 

Worum geht es eigentlich in diesem Paragraphen?

Paragraphen haben generell im ersten Moment etwas Abschreckendes, besonders weil sie oft unverständlich sind und wir das Gefühl haben, dass sie sowieso wenig wichtige Informationen für uns bereithalten. Beim §20 des fünften Sozialgesetzbuches ist dies jedoch anders. Er befasst sich mit einer Thematik, die uns alle angeht, sei es als Privatperson oder als Arbeitgeber – bzw. -nehmer in einem Betrieb. Der § 20 ist als eine Generalnorm zu verstehen, die als Grundlage für die Wahrnehmung und auch Einforderung von Gesundheitsmaßnahmen die der primären Prävention und der Gesundheitsförderung dienen, regelt.  Hierbei geht es auch besonders um die Kostenbeteiligung und -übernahme durch die Krankenversicherungen.

Darüber hinaus stellt er die Qualitätssicherung solcher Maßnahmen sicher, da sich alle Anbieter von präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen bei der Zentrale Prüfstelle Prävention zertifizieren lassen müssen, um eine Kostenübernahme zu erreichen.

Schaffung einer einheitlichen Grundlage

Durch das Präventionsgesetz 2015 wurden bereits die strukturellen Grundlagen dafür geschaffen, dass alle Versicherten, unabhängig von ihrem sozialen oder geschlechtsspezifischen Status und ihrem Alter Zugang zu Angeboten der Primärprävention und Gesundheitsförderung erhalten können. Darüber hinaus haben sich die Krankenversicherungsträger, die privaten Krankenversicherungen und die Pflegeversicherungen darauf verständigt, dass die Primärprävention und die Gesundheitsförderung aller Versicherten eine gemeinsame Aufgabe darstellt. Dafür wurden systematische Rahmenbedingungen geschaffen, die eine effiziente, effektive und verbindliche Kooperation aller Akteure ermöglicht.   Diese gesetzliche Rahmung ist also deswegen besonders wichtig, da dadurch eine transparente Struktur gegeben ist, über die die Maßnahmen verständlich kommuniziert werden können. Diese einheitliche Grundlage verfolgt also letztlich das Ziel, dass Angebote zur Gesundheitsförderung und Prävention wahrgenommen und letztlich von Allen genutzt werden können.

Prävention und Gesundheitsförderung

Unter dem Begriff Prävention sind sowohl verhaltensbezogene als auch verhältnisbezogene Maßnahmen zusammengefasst. Verhaltensbezogene Maßnahmen setzen beim Menschen selbst an und haben zum Ziel gesunde Verhaltenspräferenzen bei diesem zu etablieren. Verhältnisbezogene Prävention hingegen zielt auf die Arbeitsumgebung ab und zeigt sich zum einen in harten Faktoren, wie Arbeitsschutzmaßnahmen. Zum Anderen sind damit aber auch softe Faktoren gemeint, wie ein Führungsstil, der die Gesundheit der Mitarbeiter im Fokus hat.

Im Jahr 1986 wurde der Begriff der Gesundheitsförderung mit der Ottawa-Charta in den gesundheitspolitischen und gesundheitswissenschaftlichen Diskurs eingeführt. Unter ihm sind Strategien und Maßnahmen zusammengefasst, die das Ziel verfolgen die Gesundheitspotentiale und Ressourcen von Menschen zu stärken. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der sowohl physisches als auch psychisches und soziales Wohlbefinden als wichtige Faktoren miteinbezieht. Ebenfalls werden bei diesem Ansatz analog zur primären Prävention auch das Gesundheitsverhalten sowie die Gesundheitsverhältnisse (soziale, ökonomische und ökologische Bedingungen) einbezogen. Im Sinne des § 20 meint Gesundheitsförderung besonders die Förderung eines selbstbestimmten und gesundheitsorientierten Handelns, Ressourcenstärkung und eine Verbesserung der Gesundheit. Dies gilt auch besonders für die folgenden Gesundheitsziele, die vor diesem Paragraphen so noch nicht im Fokus von Gesundheitsförderung und Prävention standen:

  1. Diabetes mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln,
  2. Brustkrebs: Mortalität vermindern, Lebensqualität erhöhen,
  3. Tabakkonsum reduzieren,
  4. gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung,
  5. gesundheitliche Kompetenz erhöhen, Souveränität der Patientinnen und Patienten stärken,
  6. depressive Erkrankungen: verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln,
  7. gesund älter werden und
  8. Alkoholkonsum reduzieren.

Die Wichtigkeit einer solchen gesetzlichen Grundlage

Prävention und Gesundheitsförderung sind besonders in unserer heutigen Gesellschaft, in der die häufigsten Krankheits-und Todesursachen auf nichtübertragbare Krankheiten zurückzuführen sind, besonders wichtige Faktoren. Die Entstehung und der Verlauf solcher Krankheiten werden durch diverse Faktoren determiniert. So beeinflussen neben demographischen Determinanten wie Geschlecht, Alter und genetische  Disposition auch besonders individuelle Lebens- und Verhaltensweisen und das soziale Umfeld unsere Gesundheit.

Da sich diese multifacettierte Sicht auf die Gesundheit beeinflussende Faktoren durchgesetzt hat werden besonders Prävention und Gesundheitsförderung nun als interdisziplinäre Querschnittsaufgaben betrachtet, die als Aufgabe vieler Akteure der Gesellschaft akzeptiert wird. Die transparente Kommunikation von präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen und die einheitliche Zertifizierung dieser, welche im §20 SGB V festgelegt wurden sind daher von großer Bedeutung für uns alle.

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